FAQs
Allgemeines
Warum ein Biomasseheizkraftwerk (BMHKW)?
Altholz soll dort eine Verwertung finden, wo es anfällt.
Altholz aus dem Sperrmüll der Region wird schon seit Jahren in unmittelbarer Nähe zum geplanten BMHKW zu Brennstoff aufbereitet. Dieser Brennstoff wird derzeit per LKW zu verschiedenen, teilweise weit entfernten Verbrennungsanlagen transportiert. In einem BMHKW vor Ort kann die Energie aus dem Brennstoff in Kraft-Wärme-Kopplung hocheffizient in regenerativen Strom und Wärme umgewandelt werden. Außerdem werden die Transportwege erheblich verkürzt werden.
Anfallende Rückstände können direkt auf der Deponie der ELW entsorgt werden.
Auch hier sind die Transportwege sehr kurz, was die verkehrsbedingten Emissionen reduziert.
Kommt es zu zusätzlichen Verkehrsbelastungen?
Da der überwiegende Teil des Brennstoffs bereits heute schon auf dem Nachbargrundstück des BMHKW aufbereitet, d.h. sortiert, zerkleinert und von Störstoffen befreit wird, ist zusätzlicher Anlieferverkehr für Brennstoff nur in geringem Umfang zu erwarten. Zusammen mit den LKW-Fahrten für die Anlieferung von Hilfsstoffen und die Entsorgung von Reststoffen ist von lediglich 16 LKW pro Tag auszugehen.
Demgegenüber werden jedoch pro Jahr 11.000 überregionale LKW-Fahrten (Hin- und Rückfahrt) mit mehr als 5 Mio. Kilometern Fahrstrecke eingespart, d.h. deutschlandweit wird das Verkehrsaufkommen durch diese Anlage abnehmen.
Was passiert mit dem erzeugten Strom und der Wärme?
Der regenerativ erzeugte Strom wird in das allgemeine Stromnetz eingespeist.
Die regenerativ erzeugte Wärme wird an das Fernwärmenetz der ESWE Versorgungs AG abgegeben.
Die Mengen (55 Mio. Kilowattstunden Strom und 150 Mio. Kilowattstunden Wärme, dies entspricht 50% der derzeitigen Fernwärmeerzeugung) reichen rechnerisch aus, um ca. 12.000 Einfamilienhäuser zu versorgen.
Brennstoff
Welcher Brennstoff wird verwendet?
Im BMHKW werden rund 90.000 t Biomasse pro Jahr verfeuert, wobei es sich überwiegend um die Altholzfraktion aus der Sperrmüllsammlung in der Rhein-Main-Region handelt. Weitere, geringere Anteile sind u.a. Resthölzer aus der Landschaftspflege, holzhaltige Abfälle aus der Papierproduktion oder Abbruchholz.
Für alle diese Brennstoffe ist in Deutschland nach dem Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz und nachgeordneten Verordnungen wie TA Siedlungsabfall und Altholzverordnung gesetzlich vorgeschrieben, dass sie stofflich verwertet werden. Für das belastete Holz aus Abbruch und Sperrmüll bleibt hierfür nur die Verbrennung zur Energieerzeugung.
Werden auch belastete Hölzer verbrannt?
Altholz wird je nach Schadstoffbelastung in die Klassen A I bis A IV eingeteilt. A I-Hölzer sind unbehandelte, schadstofffreie Hölzer, z.B. unbehandelte und unverschmutzte Paletten. Bei Sperrmüll wie Möbeln handelt es sich um Holz der Klasse A III, bei Gartenzäunen, Fensterrahmen und Außentüren oft auch um die Klasse A IV. Das ist auch der Grund, weshalb auf die A IV-Hölzer nicht komplett verzichtet werden kann: sie sind in geringem Umfang Teil des privaten Sperrmülls und können nicht heraussortiert werden.
Die Rauchgasreinigung des BMHKW ist so ausgelegt, dass auch die Verbrennung von A IV-Altholz zu keinen unzulässigen Beeinträchtigungen der Umwelt führt. Außerdem ist der Anteil der Althölzer der Kategorie A IV vom Einsatz im geplanten BMHKW auf maximal 20% begrenzt.
Wo kommt der Brennstoff her?
Überwiegend stammen die Altholzsortimente aus der Rhein-Main-Region, insbesondere aus der Sperrmülleinsammlung, der Erfassung bei Gewerbe und Industrie sowie Bau- und Abbruchsortimente. Diese Mengen sind über langfristige Lieferverträge für den Einsatz im BMHKW gesichert.
Abgasreinigung
Welche Abgasreinigungseinrichtung ist die Beste?
Abgasreinigungsanlagen für derartige Anlagen werden individuell auf Feuerungsart und Brennstoffe abgestimmt. Die strenge 17. Bundes-Immissionsschutz-Verordnung (BImSchV) gibt vor, welche Emissionsgrenzwerte eingehalten werden müssen, also wie viel von welchem Stoff maximal im Abgas enthalten sein darf. Mit welcher Kombination von Maßnahmen das optimal erreicht wird, hängt von der jeweiligen Anlage und dem eingesetzten Brennstoff ab. Pauschale Vorgaben z.B. bestimmter Technologien sind daher weder zielführend noch angemessen.
Für das geplante BMHKW hat sich unter Berücksichtigung des einzusetzenden Brennstoffs eine sogenannte trockene Rauchgasreinigung als ökologisch beste Variante erwiesen.
Wie funktioniert die nasse Rauchgasreinigung, wie die trockene Rauchgasreinigung?
Bei der nassen Rauchgasreinigung werden Wäscher zur Reinigung des Rauchgases eingesetzt. In einer ersten Stufe der Nasswäsche werden primär HCl, HF, Quecksilberverbindungen, Staub, partikelgebundene und gasförmige Schwermetalle im sauren Waschwasser absorbiert. In der zweiten Stufe wird dann vor allem SO2 in einer Suspension aus Kalkhydrat oder Natronlauge (NaOH) absorbiert. Nasse Rauchgasreinigungsanlagen werden häufig komplettiert durch eine vorgeschaltetete Stufe zur Entstaubung vor dem Wäscher und einer nachgeschalteten Feinreinigungsstufe für organische Verbindungen und Schwermetalle. Für manche Schadstoffe lassen sich so zwar minimal höhere Abscheideraten erzielen als mit anderen Verfahren, andererseits ist der Energie- und Chemikalieneinsatz bei der nassen Rauchgasreinigung sehr hoch, wodurch im Herstellungsprozess auch wieder Schadstoffe entstehen, welche die Gesamtbilanz wieder umkehren.
Bei der trockenen Rauchgasreinigung werden schon im Kessel durch Eindüsung von Harnstoff die Stickoxide reduziert, bevor in einem sogenannten Zyklonabscheider der größte Teil des Staubes herausgefiltert wird. Um die im Abgasstrom enthaltenen Schadstoffe, wie Salzsäure (HCl), Schwefeldioxid (SO2), organische Schadstoffe (z.B. PCDD/-DF, PCB) sowie Schwermetalle (z.B. Quecksilber) zu binden, werden in der nachfolgenden Reaktionsstrecke Sorptionsmittel wie NaHCO3 oder Kalkhydrate und Herdofenkoks zudosiert. Die Reaktionsprodukte werden durch ein nachgeschaltetes Gewebefilter effizient abgeschieden. Durch mehrfaches Durchlaufen dieses Prozesses ("Rezirkulation") kann eine optimale Schadstoffabscheidung gewährleistet werden. Diese Art der Rauchgasreinigung hat sich für das geplante BMHKW als ökonomisch und ökologisch sinnvollste Variante erwiesen.
Umwelt
Wird die Luft in Wiesbaden durch den Betrieb des Biomasseheizkraftwerks schlechter?
Nein, die durch das BMHKW hervorgerufenen Immissionsbeiträge sind so gering, dass keine relevante Veränderung der derzeitigen lufthygienischen Situation zu erwarten ist. Dies gilt für alle Schadstoffparameter und ist durch differenzierte Emissions-/ Immissionsprognosen und durch einen Vergleich mit der Gesamtbelastungssituation nachgewiesen worden. Die Gesamtbelastungssituation stützt sich auf amtliche Messungen der Hessischen Landesanstalt für Umwelt und Geologie (HLUG) und dem Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht (LUWG) Rheinland-Pfalz, für die Prognosen wurden unabhängige Gutachten, die nach höchsten Standards berechnet wurden (prognostisches Windfeldmodel), erstellt. Deutschlandweit fällt die Schadstoffbilanz aufgrund der modernen Anlagentechnik, der besseren Brennstoffausnutzung und der vermiedenen LKW-Fahrten ohnehin positiv aus.
Welchen Vorteil hat die Umwelt von einem Biomasseheizkraftwerk?
Im geplanten Biomasseheizkraftwerk wird durch Verbrennen von Altholz Strom und Fernwärme in unmittelbarer Kraft-Wärme-Kopplung und damit so effizient wie nach dem heutigen Stand der Technik überhaupt möglich erzeugt. Die Mengen reichen rechnerisch aus, um ca. 12.000 Einfamilienhäuser zu versorgen. Diese Energiemengen ersetzen Strom und Wärme, die bisher aus fossilen Brennstoffen bereitgestellt wurden. Damit werden 4% des Wiesbadener Strom- und 4% des Wiesbadener Wärmebedarfs regenerativ erzeugt, womit ein Fünftel der Wiesbadener Klimaziele für das Jahr 2020 abgedeckt werden.
Bei der CO2-Bilanz ist zwischen der lokalen und der globalen Betrachtung zu unterscheiden: vor Ort in Wiesbaden wird die Emission von mehr als 70.000 t CO2 pro Jahr vermieden. Global ist der Wert geringer, da das Altholz auch bisher schon energetisch genutzt wurde und daher "nur" der Vorteil der entfallenden Ferntransporte und der höheren Effizienz der neuen Anlage zu Buche schlägt. Es verbleibt aber auch bei globaler Betrachtung ein Vorteil von ca. 20.000 t pro Jahr.
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