Vom Stadtwerk zum modernen Energieversorger

Die Geschichte der ESWE von den Anfängen bis heute

Am 30. April 1930 traf das Wiesbadener Stadtparlament die weit reichende kommunalwirtschaftliche Entscheidung, die städtischen „Wasser- und Lichtwerke“ in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. Das Unternehmen sollte auf dem Darlehensmarkt größere Chancen haben und mehr unternehmerische Flexibilität und Unabhängigkeit erreichen. Für mehr als ein halbes Jahrhundert bestand seit 1942 durch die Einbeziehung der Städtischen Verkehrsbetriebe ein kommunaler „Querverbund“ – übrigens der größte in Hessen. Im Jahr 2000 nahm die Landeshauptstadt Wiesbaden einen kommunalwirtschaftlichen Kurswechsel vor: Die Verkehrsbetriebe wurden ausgegliedert und in eine GmbH umgewandelt. Die Thüga AG München beteiligte sich als strategischer Partner am Aktienkapital der ESWE Versorgungs AG.

Daten & Fakten im Überblick

 

1930 bis 1945

1945 bis 1975

1975 bis 2000

2000 bis heute

 

 1930 bis 1945nach oben

 

30. April 1930:
Das Stadtparlament beschließt die Umwandlung des städtischen Eigenbetriebs „Wasser- & Lichtwerke“ in eine Aktiengesellschaft.

6.
 Mai 1930:
Wasserwerksdirektor Christian Bücher wird zum Generaldirektor der AG bestellt. Am 13. Mai 1930 Eintragung der Firma „Wasser-, Elektrizitäts- und Gaswerke Wiesbaden Aktiengesellschaft (WEGWAG)“ in das Handelsregister.

28.
 Februar 1931:
Die Stadt Mainz und die WEGWAG gründen die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden Aktiengesellschaft. Am 1. April 1931 übernimmt die KMW die Stromerzeugung für Mainz und Wiesbaden und ein Jahr später am 1. Mai die Mainz/Wiesbadener Gaswerke.

26.
 Oktober 1932:
Stilllegung des Wiesbadener Gaswerks.

Ab 30. Januar 1933:

Mit Beginn des NS-Regimes Verfolgung und Entlassung der politischen Gegner unter der WEGWAG-Arbeitnehmerschaft (Betriebs- und Aufsichtsräte, Gewerkschafter). Die WEGWAG erwirbt das Alte Rathaus als Verwaltungssitz und „Werbestelle“ sowie die Gebäude neben der Feuerwache in der Neugasse für Verwaltungsabteilungen.

Juli 1937:

Der Rechnungshof empfiehlt den Zusammenschluss der Wiesbadener Versorgungs- und Verkehrsbetriebe.

September 1939:

WEGWAG-Direktor Christian Bücher entwickelt ein Konzept für den Stadtgasbetrieb der Omnibusse.

28. April 1942:

Die WEGWAG erwirbt die städtischen Verkehrsbetriebe (Bus- und Straßenbahnbetrieb, Nerobergbahn) durch Kauf und firmiert seitdem als „Stadtwerke Wiesbaden Aktiengesellschaft“.

1. April 1943:
Die Süddeutsche Eisenbahn-Gesellschaft, die seit 1896 die Wiesbadener „Elektrische“ betrieb, veräußert ihren Restbestand anteilig an Mainz und Wiesbaden. Auf den Straßenbahnlinien sechs und neun entsteht ein Mainz-Wiesbadener Gemeinschaftsbetrieb, die „Keimzelle“ des heutigen Verkehrs-Verbundes Mainz-Wiesbaden (VMW).

 

 

 1945 bis 1975nach oben


2. Februar 1945:
Großer Luftangriff auf Wiesbaden führt zu Schäden an den Versorgungsleitungen und -anlagen. Am 9. März trifft ein Bombenteppich den Omnibusbetriebshof (29 Tote). Der Bus- und Straßenbahnbetrieb wird eingestellt. Am 18. März fliegt mit der Mainzer Kaiserbrücke zugleich die KMW-Gasversorgungsleitung für Wiesbaden in die Luft. Im März wird mit der Reaktivierung des Wiesbadener E-Werks begonnen. Am 27. März erreicht Christian Bücher von Oberst Zierenberg, dem letzten „Kampfkommandanten von Wiesbaden“, ein Befehl, der die Versorgungsanlagen im Stadtgebiet vor der Zerstörung durch die Wehrmacht bewahrt. Mit Einzug der amerikanischen Truppen in Wiesbaden kann der Wiederaufbau beginnen. Der Vorstand rechnet mit über zwei Millionen Tagwerken, um die Kriegsschäden zu beseitigen.

2. August 1945:

Wiederaufnahme des Straßenbahnbetriebs mit der Linie neun (Schierstein – Mainzer Straße). Es folgt am 10. September die Wiederaufnahme des Busbetriebs mit der Linie zwei (Hauptbahnhof – Sonnenberg). Im Dezember 1945 funktioniert die Wiesbadener Gaserzeugung wieder.

15. September 1947:

Das Kalle-Notwasserwerk in Biebrich geht ans Netz und entschärft die Wasserversorgungssituation. Im selben Jahr erfolgt die endgültige Stilllegung des Wiesbadener Gaswerks.

23. Dezember 1948:

Eröffnung der Obus-Linie sieben (Dotzheim – Boseplatz), 1949 folgt die Linie A (Hauptbahnhof – Rheinufer). Die Stilllegung erfolgt bereits 1961.

1950:

Das erste Teilstück der Wiesbadener Gashochdruckleitung wird verlegt.

Oktober 1951:

Nach der Währungsreform lohnt sich wieder aktive Werbung für Energieverbrauch; Aufsehen erregt allerdings ein „Kochkurs für Herren“ in der Werbestelle in der Neugasse.

1952:

Endgültige Stilllegung des Wiesbadener E-Werks.

25. März 1953:

Die Stadt überträgt die Hafen- und Rheinuferanlagen auf die Stadtwerke.

24. Mai 1954:

Unter der Regie der Stadtwerke wird das Hallenbad in der Mainzer Straße (späteres „ESWE-Bad“) eröffnet.

30. April 1955:

Endgültige Einstellung des Wiesbadener Straßenbahnbetriebs.

21. Dezember 1956:

Umzug in das erste Hochhaus der Landeshauptstadt Wiesbaden (41,65 Meter) an der Schwalbacher Straße als neuer Verwaltungssitz der Stadtwerke.

27. August 1960:

Inbetriebnahme des Rheinwasseraufbereitungswerks in Wiesbaden-Schierstein.

1962:

Beginn des systematischen Aufbaus eines 20.000-Volt-Mittelspannungsnetzes.

1965:

Zweite Einspeisung für das Wiesbadener Gasversorgungsnetz über die neue Autobahnbrücke.

1966:

Aufnahme der Fernwärmeversorgung der Großsiedlung Klarenthal und Dritte Gaseinspeisung im Osten der Stadt mit Anschluss an das Ferngasleitungssystem.

1968:

Stilllegung der KMW-Kokerei. Übergang zum Fremdbezug von Ruhrgas und Gasunion. Am 1. September werden „Busspuren“ in der Innenstadt eingerichtet.

2.
 Januar 1969:
Aufnahme des Wasserbezugs aus dem Hessischen Ried. Seitdem gab es in Wiesbaden keinen Wassernotstand mehr.

1970:
 
ESWE = phonetische Umschreibung von den Anfangsbuchstaben des Wortes „Stadt-Werke“. Am 29. Juni beschließt die Stadtverordnetenversammlung die Einführung der paritätischen Mitbestimmung im ESWE-Aufsichtsrat.

30. Januar 1974:

Gründung der Versorgungs- und Verkehrs-Verbund Mainz-Wiesbaden GmbH. Im Folgejahr vereinbaren die beiden Verkehrsbetriebe unter dem „Dach“ dieser Gesellschaft die Bildung des Verkehrs-Verbundes Mainz-Wiesbaden (VMW).

 

 

 1975 bis 2000nach oben


1. Januar 1977:
ESWE übernimmt die Wasserversorgung der sechs neuen östlichen Stadtteile und schließt sie sukzessive auch an das Busliniennetz an. Am 26. August Gründung des ESWE-Instituts für Wasserforschung und Wassertechnologie.

1. Januar 1978:

Übernahme der Stromversorgung in den westlichen Stadtteilen Dotzheim, Frauenstein und Schierstein von der Rheingau Elektrizitätswerke AG (REW).

1980:

Übernahme der Stromversorgung von Wiesbaden-Igstadt von der Main-Kraftwerke AG (MKW).

1981:

Einführung der Jahresverbrauchsabrechnung.

1982:

Anschluss von Auringen an das Gasversorgungsnetz (1987 folgt Medenbach).

Seit 1990:

ESWE-Engagement in Wiesbadens östlicher Partnerstadt Görlitz.

1992:

Umspannwerk Dotzheim am Netz. Die Landeshauptstadt Wiesbaden überträgt ihren Anteil an der Gaswerksverband Rheingau AG auf ESWE. Im selben Jahre gründet ESWE auch die ESWE Schreibwelt AG, die ESWE-Juniorfirma für Auszubildende.

1993:

Schließung des Gashochdruckrings um Wiesbaden.

1994:

Erwerb der Gasversorgungsnetze von Delkenheim, Naurod und Nordenstadt von der Maingas AG. Vorstellung eines „Masterplans“ für den Bereich Mainzer Straße/Weidenbornstraße.

1995:

Übernahme der Fernwärmeversorgung für das Europaviertel und Sauerland.

1996:

Erwerb und Sanierung des Verwaltungsgebäudes Schillerplatz 1–2.

1. Januar 1997:

Übergang der Stromversorgung in den 1977 eingemeindeten sechs östlichen Stadtteilen von MKW auf ESWE. Gleichzeitig überträgt die Stadt ESWE die Betriebsführung für die „Entsorgungsbetriebe der Landeshauptstadt Wiesbaden (ELW)“.

27. März 1997:

Gründung von WiTCOM, Wiesbadener Informations und Telekommunikations GmbH.

1. Juli 1998:

Erstmals wird ein Energie-Spartarif angeboten (Gib-8-Tarif).

1999:

Mit dem Anschluss an Breckenheim sind sämtliche Wiesbadener Stadtteile mit Gas versorgt.

2000:

Umfassende Umstrukturierung des Unternehmens und Ausgliederung des Betriebsteils „Verkehrsbetriebe“ in eine eigenständige GmbH.

 

 

 2000 bis heutenach oben


2000:
Umfassende Umstrukturierung des Unternehmens und Umfirmierung von Stadtwerke Wiesbaden AG in ESWE Versorgungs AG.

Ausgliederung des Betriebsteils „Verkehrsbetriebe“ in eine eigenständige GmbH.

5. Februar 2001:
ESWE-Teilprivatisierung und Beteiligung der Thüga AG, München, mit 49,36 Prozent.

Am 23. November wird das „ESWE-Hochhaus“ geschlossen und das neue Verwaltungsgebäude in der Weidenbornstraße bezogen.

31. Dezember 2001:
Beendigung der Betriebsführung für die „Entsorgungsbetriebe der Landeshauptstadt Wiesbaden (ELW)“.

21. Januar 2002:
„Riesen-Eröffnungsparty“ des neuen ENERGIE direkt CENTER in der City (Kirchgasse 49) mit Bürgermeister Hildebrand Diehl. Im selben Monat wird das neue ESWE-Logo präsentiert. Das leuchtend gelbe „E“ steht für Energie.

2003:
Neubau UW Mainzer Straße abgeschlossen.

Das E-Prüfamt und die Prüfstelle für Messgeräte für Gas und Wasser wird aufgegeben.

2004:
Der Betriebsteil Wassergewinnung und ESWE-Labor (inkl. Institut) gehen gegen eine Beteiligung von 18,2 Prozent auf die Hessenwasser GmbH + Co. KG über.

22. Oktober 2004:
Stadturaufführung des Veranstaltungsformats „EnergyRock“ in der ESWE-eigenen Christian-Bücher-Halle (stellvertretend für das vielseitige Sponsoring des Unternehmens).

2006:
Gründung der ESWE Netz GmbH mit Überleitung von ca. 100 Beschäftigten auf die neue Gesellschaft.

2007:
Beteiligungserweiterung an der Kraftwerke-Mainz-Wiesbaden AG (KMW) ; Übernahme des anteiligen 110 kV-Netzes der KMW.

ESWE hat als einer der ersten Energieversorger der Region den Schalter auf erneuerbare Energien gestellt. Sonne, Wind und Wasserkraft – der ESWE-Strom ist seit 2007 atomstromfrei.

2007/2008:

Auszeichnung als „Wiesbadener ÖKOPROFIT-Betrieb 2007/2008“.

2008:
Überleitung des ESWE Freizeitbades in den städtischen Eigenbetrieb „Mattiaqua“.

2009:
Verschmelzung der Gaswerksverband Rheingau AG auf ESWE Versorgung.

Rekommunalisierung der Thüga AG unter Beteiligung der WVV Wiesbaden Holding AG.

Erwerb der Konzession für das Stromnetz in Taunusstein.

Gründung der ESWE BioEnergie GmbH zur Errichtung und Betrieb des Biomasseheizkraftwerks.

Im südlichen Teil des Künstlerviertels (Im Rad) errichtet ESWE ein Nahwärmenetz für private Bauträger. Investitionsvolumen: rund 1,2 Millionen Euro.
Ausgezeichnete Servicequalität: Alle ESWE-Tarife haben in einem unabhängigen Preis-Leistungs-Test der 200 wichtigsten Energieversorger in Deutschland von den unabhängigen Testern von verivox die höchste Punktzahl erreicht.
Im Rahmen der Kooperation Solarpartnerschaft mit der Landeshauptstadt Wiesbaden geht ein Sonnenkraftwerk auf dem Erweiterungsbau der Elly-Heuss-Schule am Platz der Deutschen Einheit in Betrieb. Die Anlage hat eine Fläche von 300 Quadratmetern. Weitere Sonnenkraftwerke sind in den Jahren 2006 und 2007 mit Unterstützung der ESWE Versorgungs AG bei drei ortsansässigen Firmen gebaut worden.

Januar 2010:

Eröffnung eines Kundencenters in Taunusstein, das ESWE Energie CENTER, direkt in der Ladengalerie des Taunussteiner Rathauses. Im Dezember 2010 sorgt ESWE für positive Energiebilanz im „Künstlerviertel“: 350 Tonnen Kohlendioxid weniger pro Jahr! Insgesamt 83 Einfamilienhäuser und vier Mehrfamilienhäuser im neuen Wohngebiet werden über eine zentrale Pelletkesselanlage mit Fernwärme versorgt.
Beteiligung an der Thüga Erneuerbaren Energien GmbH & Co.KG.

12. Januar 2011:

Eröffnung der ersten „Stromtankquelle“ in Wiesbaden durch ESWE. Am 15. September 2011 erfolgt der Umzug vom ENERGIE direkt CENTER in das ESWE Energie CENTER in die Kirchgasse 54 mit großen Neueröffnungs-Aktionen und Oberbürgermeister Dr. Helmut Müller.

1. 
Januar 2012:
Ausgliederung der Wasserversorgung auf den neuen Eigenbetrieb der Landeshauptstadt Wiesbaden (WLW) (Rekommunalisierung).

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