Erkundungsmethoden
Um den Untergrund besser verstehen zu können gibt es verschiedene Möglichkeiten zur Erkundung. Die meisten Verfahren sind schon seit Jahrzehnten aus der Erdöl- und Erdgasexploration bekannt und werden auch bei der Tiefen Geothermie eingesetzt. Andere Methoden sind relativ neu und wurden speziell für die Tiefe Geothermie entwickelt. Weiter unten auf dieser Seite finden Sie verschiedene Möglichkeiten, die wir in unserem Erkundungsfeld anwenden, um möglichst viel Information über den Untergrund zu erhalten und die Beeinträchtigung für Mensch und Umwelt im Falle einer Bohrung so gering wie möglich zu halten.
- Seismik
Diese Methode funktioniert ähnlich einem Echolot. Entlang einer vordefinierten Seismikroute werden durch Messfahrzeuge kurze Vibrationen an verschiedenen Stellen in die Tiefe gesendet. Über zahlreiche, entlang der Messlinie im Boden steckende Geophone wird das Echo der Schwingungen aufgezeichnet. Die Geophone funktionieren dabei wie hochempfindliche Mikrophone, die das reflektierte Schallsignal aus dem Untergrund aufnehmen und messen. Die Bodenschichten können mit dieser Methode großflächig bis zu 3.800 Metern in die Tiefe erkundet werden. Eine Abbildung des Messprinzips finden Sie hier. - Magnetotellurik
Die Magnetotellurik detektiert Bereiche des Erdinneren mit niedrigerem elektrischen Widerstand im Vergleich zum Umgebungsgestein. Dies ist ein Hinweis auf geothermale Wasservorkommen.
Zur Messung werden vier Elektroden und drei Magnetometer im Untergrund vergraben. Diese zeichnen über einen definierten Zeitraum die natürlichen elektrischen und magnetischen Felder auf. Durch eine Auswertung der so erhaltenen Daten kann unter Zuhilfenahme weiterer Erkenntnisse gegebenenfalls auf Fluide im Untergrund zurückgeschlossen werden. Ein Abbildung des Messprinzips finden Sie hier. - NEMR-Messung
Die NEMR-Messung (natürliche elektromagnetische Radiation) dient der Auffindung aktiver tektonischer Bruchzonen im Untergrund. Die Bewegung dieser Bruchzonen erzeugt ein elektromagnetisches Feld. Dieses Feld kann als Signal von der Oberfläche aus durch Messgeräte erfasst, kartiert und ausgewertet werden. Aus der Orientierung und Lage der aktiven Bruchzonen, kombiniert mit anderen Untersuchungsmethoden (z. B. Seismik, Mikrogravimetrie oder Magnetotellurik), werden Rückschlüsse auf die Zirkulation von Heisswasservorkommen im tiefen Untergrund gezogen. - Gravimetrie
Grundlage der Gravimetrie sind Dichteunterschiede in den Gesteinen des Untergrundes. Die Messung der Schwere erfolgt mit einem Gravimeter. Dabei wird für die Masse im Gerät die Stärke der Auslenkung aus dem Gleichgewicht bestimmt und dieser Wert in die anliegende Schwerebeschleunigung umgerechnet. Je größer die Dichte der Gesteine unterhalb der Erdoberfläche ist, desto größer die Schwerebeschleunigung an diesem Punkt und damit auch die Auslenkung der Masse im Messgerät. Sowohl geologische Störungen, an denen Versätze zwischen unterschiedlichen Gesteinen vorkommen, als auch Intrusivkörper oder Vulkanite können so gegebenenfalls detektiert werden. - Aeromagnetik
Zur Erstellung einer sogenannten Aeromagnetik fliegt ein speziell ausgerüstetes Flugzeug über ein definiertes Zielgebiet und zeichnet die Intensität des Erdmagnetfeldes ortsaufgelöst auf. Magnetische Anomalien, die durch einen abweichenden Gehalt an magnetischen oder magnetisierbaren Mineralen in unterschiedlichen Gesteinen der oberen Erdkruste verursacht werden, geben Hinweise auf den geologischen Aufbau des Untergrundes. Durch spezielle Auswerteverfahren der Messdaten wird insbesondere versucht, geologische Bruchzonen zu detektieren, die für die Nutzung Tiefer Geothermie von Bedeutung sind.
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